Interview mit Sara von Mamathek

Spielsachen und Babyausstattung mieten, statt kaufen

mamathek

Über einen Kommentar in unserem Blog, wurde ich auf die Share Economy Plattform: Mamathek – Lieber Leihen! aufmerksam, mir gefällt dieser Leih-Shop für Spielsachen und Babyausstattung sehr. Daher fragte ich Sarah (Betreiberin von mamathek.de) um ein Interview und es wurde ein echt interessantes Interview aber lest selbst! 😉


 Interview mit Sara Smalla von der Mamathek

 

Hallo Sara, was bietest Du deinen Kunden über deine Leih-Plattform denn genau an und warum?

Ich habe mich für Produkte entschieden, die einerseits relativ viel Geld kosten, andererseits aber nur kurz Verwendung finden. Am Anfang waren es vor allem Beistellbettchen und Federwiegen. Auf Anregung meiner Kundinnen hin habe ich, dass Sortiment aber um Tragen, Tragetücher, Kraxen und neuerdings auch Spielsachen erweitert.‏

Die eigentlichen Ideengeber sind zu allererst aber meine beiden Kinder (1,5 und 3 Jahre). Erstaunlich wie schnell ein teures Spielzeug in der Ecke landet oder der Kleine nicht mehr in sein Bettchen passte.‏

Ich vermute viele Familien haben Unmengen an Babyausstattung auf dem Dachboden/Keller, da nicht jeder Lust hat sich auf Babyflohmärkten die Beine in den Bauch zu warten, in der Hoffnung jemand nimmt einem die abgelegten Sachen ab.‏

Ein bisschen “gutes Gewissen” biete ich meinen Kunden irgendwie auch an. Viele Eltern machen sich Gedanken über Nachhaltigkeit und die Welt von morgen, in die sie ihre Kinder irgendwann entlassen wollen. Es schont schlicht die Umwelt, gute Babyprodukte länger zu verwenden. Allerdings fäält es nicht allen leicht sich auf das Motto der Shareeconomy einzulassen: Nutzen statt Besitzen.

Das kann ich mir gut vorstellen, aber es ist ein wichtiger Weg in Richtung “weg von einer Wegwerfgesellschaft”. Seit wann verleihst Du denn Babyausstattung und Spielsachen übers Internet und welche Hürden gab es bei der Gründung deines Unternehmens?

Die Mamathek gründete ich Anfang 2013 in meiner zweiten Elternzeit. Allerdings musste ich erstmal einen (noch laufenden) Lernprozess absolvieren. Die Idee kam zwar schnell, die Umsetzung der Webseite, AGBs, steuerliche Aspekte, Produktauswahl, Händlerzugänge und so weiter waren zunächst komplettes Neuland für mich.‏

Auch reagierten nicht alle Hersteller positiv auf die Idee des Leihens. Leider hängen viele Produzenten, aber auch größere Babymärkte, noch sehr an dem Geschäftsmodell des Verkaufens.‏

Meine Erfahrung ist allerdings eine andere. Viele Familien trauen sich eher mal ein Produkt auszuprobieren und manchmal (zum Beispiel wenn ein Spielzeug zum Liebling wird) kaufen sie es dann. Ohne die Möglichkeit des Ausprobierens hätten sie das dann nicht gemacht.

Du sagst, nicht alle Firmen reagierten auf dein Vorhaben positiv, was gab es denn für positive Resonanzen von den Herstellern?

Da fällt mir spontan der ErgoBaby-Händler ein. Der war sofort begeistert und wollte die Geschäftsidee des Leihens unterstützen. Sowas macht Mut 🙂 ‏ Andere drohen gern mal mit dem Anwalt, sollte man ihre Produkte verleihen wollen‏. (die bleiben besser ungenannt)

Meinem Gefühl nach ist die Stimmung, innerhalb der Shareeconomy noch nicht so stark Konkurrenz geprägt wie in anderen Geschäftszweigen. Ganz ungezwungen und nett war der Kontakt mit Dirk von der Lifethek in Hamburg, der mittlerweile unsere Produkte auch in Hamburg anbietet. Auch so ein Mutmacher 🙂

Okay, dass finde ich etwas heftig, gleich mit einem Anwalt zu drohen. Welche Maßnahmen nutzt Du denn, um neue Kunden über das Internet zu gewinnen?

Da ich nicht viel Zeit habe und die mamathek, ein Ein-Frau-Unternehmen ist gibt es bislang nicht viel mehr als einen Twitter und Facebook-Account. Via Google oder Blogs werden Eltern auf die Mamathek aufmerksam, welche selbst Blogartikel schreiben oder es in ihrem Freundeskreis weiterempfehlen.

Ja, Mundprovakanta ist immer noch die beste Werbung, die man bekommen kann! 🙂 Wie ich sehe, nutzt Du WordPress für deine Seite, wie bist Du auf die Idee gekommen, dieses Blog-System zu nutzen und wer hat Dir denn das schöne Design gestaltet?

Da ich mit ganz kleinem Geld gegründet habe und auch keinen Standard-Kauf-Shop brauchte, hat sich ein guter Freund (Stefan Gaertner) angeboten mir beim Anpassen des WordPress zu helfen. Farben, Logo und Anordnung haben wir dann zusammen entwickelt. Das tolle am WordPress ist ja auch, dass man ein gut bedienbares CMS gleich mit an Bord hat.

Noch ein Vorteil bzw. Grund für WordPress war auch, dass nicht alles in einem Klick erledigt ist, sondern ich erstmal persönlichen Kontakt zu den Eltern habe um auch zu beraten. Leihen ist nicht so anonym wie kaufen, die Vernetzung mit den Müttern macht Spass und hat irgendwie einen gesellschaftlichen Wert finde ich.

Stimmt, WordPress an sich ist kostenlos und bietet einige Freiheiten. Hattest Du denn eigentlich auch schon schlechte Erfahrungen mit Kunden gehabt?

Das ist kurious‏ – Ich habe nur eine einzige schlecht Erfahrung. Dies war leider auch meine allererste Kundin. Ich hatte noch Blumen zu der gewünschten Trage mitgebracht, war schließlich “Eröffnung” bzw. “Premiere”.‏

Die Kundin hat behauptet die Trage sei bei einem Brand zerstört worden (es hatte tatsächlich gebrannt, nur leider im Keller nicht in ihrer Wohnung wie ich durch die Polizei erfuhr).‏ Kurz darauf fand ich ein aktuelles Bild von ihr und ihrer Tochter in der Mamathek-Trage auf Facebook‏. Sie reagierte nicht mehr auf Mails und der Briefkasten worde auch nicht mehr geleert…‏ Ich habe lange überlegt was ich machen soll und habe mich dann entschieden mich auf den Aufbau der mamathek zu konzentrieren und diesen nicht mit einem Rechtsstreit aufzuhalten.

Aber dabei blieb es bis heute. Ich nehme auch keine Kaution und vertraue meinen Kunden, so wie die Kunden mir Vertrauen, dass sie saubere und sichere Babyausstattung bekommen.‏

 Irgendwo las ich mal: Vertrauen ist die Währung/Basis der Shareeconomy‏

Das finde ist wirklich für mich, ein sehr großer Vorteil von Share Economy, wenn es so fair zugeht! Das mit deiner ersten Kundin tut mir echt Leid, finde es aber gut, dass Du nicht gleich aufgeben hast und von einem Besseren belehrt wurdest. 😉 ‏

Was wünschst Du Dir für die Zukunft von Mamathek am meisten?

Ich wünsche mir vor allem, dass die Mamathek (gemeinsam mit den Babys, die sie nutzen) weiterhin wächst, die Idee des Leihens und der damit verbundene Zusammenhalt von Eltern gestärkt wird.

irgendwie ist die Mamathek ja auch fast so ein Baby von mir geworden‏


Vielen Dank Sara, für das tolle Interview, Du hast dein Herz am rechten Fleck und das spiegelt sich auch in mamathek.de wieder. Ich wünsche Dir für die Zukunft viel Erfolg mit deinem Unternehmen und viele nette und freundlichen Kunden. 😉 Mich hast Du jedenfalls überzeugt und ich werde in Zukunft bestimmt das ein oder andere Spielzeug oder etwas von deiner Babyausstattung, bei Dir leihen.